Pluralismus
Das politische System Madagaskars hat seit der Unabhängigkeit eine bewegte Geschichte durchlebt.
Die immer wiederkehrenden Krisen des präsidentiellen Regierungssystems (wie beispielsweise 1972/1975, 1989/1991/1993, 1995/1997 und 2001/2002) schwächten die Rolle der politischen Parteien. Oft werden sie von der Zivilgesellschaft und der Bevölkerung als diskreditiert wahrgenommen: Bis heute werden sie gleichgesetzt mit Quellen von Korruption und Finanzskandalen oder sie werden als Verursacher von politischen Konflikten wahrgenommen.
In der madagassischen Gesellschaft herrscht daher bis heute eher ein skeptisches bis ablehnendes Klima gegenüber politischen Parteien.
Nichtsdestotrotz kommt politischen Parteien in einer pluralistischen Gesellschaft eine große Verantwortung zu: Sie müssen ihre Rolle als wichtige politische Akteure wahrnehmen. Sie dienen als Mittler zwischen Bürgern und Staat.
Besonders in der politischen Meinungs- und Willensbildung des Landes spielen die politischen Parteien eine tragende Rolle. Sie stellen dem Staat das demokratisch gewählte politische Personal zur Verfügung. Gleichzeitig machen sie der Bevölkerung Angebote, sich am politischen Leben zu beteiligen. Zudem zählt zu ihren Aufgaben, die Bürgerinnen und Bürger dazu ausbilden, politische Funktionen zu übernehmen und im Rahmen der staatlichen Institutionen Einfluss auf die politische Entwicklung nehmen.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, müssen sich die politischen Parteien Madagaskars aktuell großen Veränderungen stellen. Auch sie müssen ihr Verhalten überdenken und in der Lage sein, aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen.
Wichtig ist, dass sie bei ihrer eigenen Strukturierung die Vielfalt der Meinungen über bestehende Probleme und deren Lösung einbeziehen. Dies erfordert ein aktives Engagement und die Zusammenarbeit aller Akteure, des Staates, der politischen Parteien und der Zivilgesellschaft.

