Friedrich-Ebert-Stiftung
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Gewerkschaften

Die Gewerkschaftsbewegung in Madagaskar ist vielschichtig und blickt auf lange Jahre bewegter Geschichte zurück. Die madagassische Gewerkschaftsbewegung zeichnet sich durch den Widerspruch zwischen historischem und praktischem Erfahrungsreichtum auf der einen und einer Lethargie auf der anderen Seite aus.

Die madagassischen Gewerkschafter haben zwar viel Erfahrung mit sozialer Mobilisierung, der Ausbildung von Arbeitern, gemeinsamen gewerkschaftlichen Aktivitäten und dem sozialem Dialog. Gleichzeitig kommt diese Erfahrung durch fehlende Motivation einer alternden Gewerkschaftswelt und ohne eine klare personelle und finanzielle Perspektive kaum zur Anwendung und Weiterentwicklung.

Strategien

Vor dem Hintergrund einer alternden Gewerkschaftsbewegung liegt die Notwendigkeit einer Erneuerung ihrer Kapazitäten auf der Hand.

Es geht darum, den Herausforderungen der Globalisierung zu begegnen und neue Bereiche und Mittel zu finden, um die madagassische Gewerkschaftsbewegung zu reorganisieren, Mitglieder anzuwerben und ihnen einen qualitativ hochwertigen Service zu bieten.

Neue Strategien für die Bildung von Arbeitern und Arbeiterinnen gilt es zu entwickeln und umzusetzen, um damit die Rechte und Interessen von ArbeiterInnen auch zukünftig zu verteidigen.

Die Gewerkschaftspolitik, ihre Führung und das gewerkschaftliche Personal steht vor den Herausforderungen umfassender Erneuerungen. Zu den Strategien einer erneuerten Gewerkschaftsbewegung in Madagaskar zählt daher:

Perspektiven für die madagassischen Gewerkschaften

Die Perspektiven für die madagassischen Gewerkschaften sind vielfältig. Das Land ist im Umbruch und so ergebenen sich für sie mehrere neue Beteiligungsfelder in den Bereichen:

Aktuelle Themen:

Insbesondere die regionale Integration und der Beitritt Madagaskars zur SADC im Jahr 2006 wird von den madagassischen Gewerkschaften neue Antworten verlangen.

Beispiel 1: Das "Netzwerk der jungen ArbeitnehmerInnen"

In Madagaskar geht vielen Gewerkschaften der Nachwuchs aus. In Entscheidungsgremien der Gewerkschaften finden Jugendperspektiven kaum Berücksichtigung. Der in Madagaskar eingeschlagene „schnelle Entwicklungsweg“ vergisst oft die soziale Dimension und ArbeitnehmerInnen bleiben aufgrund schwacher Gewerkschaften bei vielen Entscheidungen ungehört.

Diesen Entwicklungen zu begegnen, gehen die Friedrich-Ebert-Stiftung in Antananarivo und die in der „Confèrence de Travailleurs“ organisierten madagassischen Gewerkschaften mit einem neuen Programm, dem "Netzwerk der jungen ArbeitnehmerInnen" (RJT), einen bisher unbekannten Weg. Aus knapp 100 Bewerbungen wurden 16 ArbeitnehmerInnen ausgewählt, denen ein speziell entwickeltes Nachwuchsprogramm angeboten wird. In mehrtägigen Seminaren sollen die TeilnehmerInnen mit Experten aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Rechtsberatung zusammenkommen und ihr Wissen erweitern. Die erste Sitzung im April 2008 befasste sich insbesondere mit der Geschichte und den neuen Herausforderungen der Arbeiterbewegung und vermittelte den TeilnehmerInnen grundlegende Verhandlungstechniken.

 

Beispiel 2: Hoffnung für die Saphirstadt

Aus dem FES-Info 02/07

„Ein Arbeiter verdient hier zwischen 1.500 und 1.800 Ariary (ca. 0,60 - 0,75 EURO) am Tag“, erklärt der stellvertretende Präsident der kleinen Gemeinde Ilakaka im Süden Madagaskars, „das entspricht bei  Weitem noch nicht dem gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn.“ Menschenwürdige Arbeit zu fairen Löhnen, soziale Gerechtigkeit und Informationen über Arbeitnehmerrechte stehen im Mittelpunkt einer Reihe der FES und den Gewerkschaften in Madagaskar. Im Mai wurden gemeinsam mit der Minengewerkschaft FISEMA und Vertretern der ILO-Madagaskar die Bergarbeiter von Ilakaka besucht, die auf einer Konferenz über ihre Rechte informiert wurden.


Wo vor wenigen Jahren nur einige Holzhütten standen, leben heute mehr als zehntausend Menschen: Gesetzlosigkeit, Kriminalität, Prostitution wie auch Arbeitsunfälle sind an der Tagesordnung. Die Mehrheit sucht unter den schwierigen Bedingungen das schnelle Glück: die begehrten bunten Halbedelsteine oder noch besser – den großen blauen Saphir. Für manchen endet der Traum tödlich: „Zwischen drei und fünf Tote hat Ilakaka jeden Monat zu beklagen“, bestätigt der örtliche Arzt.


„Wir erleben hier eine neue Form der Sklavenarbeit“, konstatiert José Randrianasolo, Koordinator der „Konferenz der Arbeiter“ (CTM), auf der Konferenz der FES, „die Tagelöhner erhalten lediglich Nahrung und Unterkunft, sind aber verpflichtet, ihre Funde an ihre Kreditgeber zu Niedrigpreisen zu verkaufen.“ Viele der Arbeiter, dies wurde in der anschließenden Diskussion deutlich, kennen nicht einmal den Wert ihrer Funde.  Der Gewerkschafter will daher die Arbeiter über ihre Rechte informieren: „Es ist nicht so leicht, die madagassischen Arbeiter zu überzeugen, dass ein gemeinsames Vorgehen in einer starken Gewerkschaft jedem einzelnen konkrete Vorteile und eine verbesserte Verhandlungsgrundlage bringt.“ Von den Gewinnen aus dem Edelsteingeschäft fließt so gut wie nichts in die Gemeinden zurück. Diese kämpfen mit immer größeren Problemen und sozialer Ungerechtigkeit. „Die sozialen Folgen, die die Ausbeutung der Bodenschätze mit sich bringt, sind heute noch nicht abzuschätzen. Ohne den sozialen
Frieden wird sich der Traum einer besseren Zukunft für unsere Kinder jedoch nicht realisieren lassen“, so der Gewerkschafter in seinem Schlusswort.

Lebensbedingungen in Ilakaka: Mit Unterstützung der FES entstand im Mai 2007 eine 30-minütige Dokumentation über die Situation der Tagelöhner im Süden Madagaskars.